Makroaufnahme von Zitrusfrüchten – Fruchtsäuren als Wirkstoff in der natürlichen Nagelpflege

Frucht­säu­ren in der Nagel­pflege: was sie am Nagel bewir­ken und wo ihre Gren­zen lie­gen

Alpha-Hydro­xy­säu­ren sind gut erforscht. Für die Nagel­pflege lohnt es sich, genau zu ver­ste­hen, was sie leis­ten kön­nen.

Säu­ren haben einen schlech­ten Ruf. Dabei sind sie über­all: Amei­sen nut­zen Amei­sen­säure zur Abwehr – die­selbe Sub­stanz wirkt anti­bak­te­ri­ell und kal­k­auf­lö­send. Zitro­nen­säure schützt Zitrus­früchte vor Bak­te­rien und Schim­mel. Ascor­bin­säure, bes­ser bekannt als Vit­amin C, ist essen­zi­ell für das Immun­sys­tem. Alpha-Hydro­xy­säu­ren, kurz AHA, sind eine Unter­gruppe orga­ni­scher Säu­ren, zu der Zitro­nen-, Milch- und Gly­kol­säure gehö­ren. In der Kos­me­tik wer­den sie ein­ge­setzt, weil sie ver­hornte Zell­schich­ten lösen, die Nagel­ober­flä­che geschmei­di­ger machen und die Auf­nah­me­fä­hig­keit des Nagel­ge­we­bes für Pfle­ge­stoffe ver­bes­sern kön­nen. Die­ser Arti­kel erklärt, wie das funk­tio­niert, wo die Gren­zen lie­gen und was natür­li­che von syn­the­ti­schen Frucht­säu­ren unter­schei­det.

Was Frucht­säu­ren sind und wo sie vor­kom­men

Die che­mi­sche Struk­tur der Frucht­säu­ren (Alpha-Hydro­xy­säu­ren) ver­leiht ihnen ihre cha­rak­te­ris­ti­sche Eigen­schaft: Sie lösen die Kitt­sub­stanz zwi­schen abge­stor­be­nen Haut­zel­len auf und erleich­tern so deren Ablö­sung. Das ist der Kern ihrer kos­me­ti­schen Wir­kung.
Die bekann­tes­ten Frucht­säu­ren in der Kos­me­tik sind Gly­kol­säure (aus Zucker­rohr), Milch­säure (aus fer­men­tier­ter Milch oder syn­the­tisch her­ge­stellt), Zitro­nen­säure (aus Zitrus­früch­ten) und Apfel­säure (aus Äpfeln). Man­che kom­men im mensch­li­chen Kör­per von Natur aus vor – Milch­säure etwa ist Teil des Säu­re­schutz­man­tels der Haut – was erklärt, warum sie gene­rell gut ver­träg­lich sind.
Gly­kol­säure hat unter den Frucht­säu­ren das kleinste Mole­kül. Das bedeu­tet, dass sie tie­fer in das Gewebe ein­drin­gen kann als andere. Milch­säure hat ein grö­ße­res Mole­kül, wirkt des­halb ober­fläch­li­cher, ist aber durch ihre feuch­tig­keits­bin­den­den Eigen­schaf­ten beson­ders scho­nend. Diese Unter­schiede sind für die Anwen­dung in der Nagel­pflege rele­vant.

Natür­li­che ver­sus syn­the­ti­sche Frucht­säu­ren

Frucht­säu­ren wer­den in der Kos­me­tik ent­we­der aus pflanz­li­chen Quel­len extra­hiert oder syn­the­tisch im Labor her­ge­stellt. Der ent­schei­dende Punkt: Ob eine Gly­kol­säure aus Zucker­rohr gewon­nen oder im Labor syn­the­ti­siert wird – die che­mi­sche Struk­tur­for­mel ist iden­tisch. Das bedeu­tet, dass die Wir­kung auf Haut und Nagel die­selbe ist.
Der prak­ti­sche Vor­teil syn­the­tisch her­ge­stell­ter Säu­ren liegt in der Kon­zen­tra­ti­ons­sta­bi­li­tät: Im Labor lässt sich die genaue Dosie­rung kon­trol­lie­ren, was für kon­sis­tente Wir­kung und Ver­träg­lich­keit wich­tig ist. Natür­lich gewon­nene Extrakte ent­hal­ten häu­fig ein Gemisch ver­schie­de­ner Ver­bin­dun­gen, was die Wir­kung varia­bler macht. Für den Anwen­der ist der Ursprung weni­ger ent­schei­dend als Kon­zen­tra­tion, pH-Wert und Ein­wirk­zeit des Pro­dukts.

Was Frucht­säu­ren am Nagel kon­kret bewir­ken

Nägel bestehen wie die Haut aus Kera­tin – dem Struk­tur­pro­tein, das abge­stor­bene Zel­len zu einer fes­ten Platte zusam­men­fügt. Bei pilz­be­fal­le­nen, tro­cke­nen oder ver­dick­ten Nägeln ist diese Struk­tur ver­än­dert: Die Nagel­platte wird unre­gel­mä­ßig, ris­sig oder ver­hornt. Genau hier set­zen Frucht­säu­ren an.

Kera­to­ly­ti­scher Effekt

Frucht­säu­ren lösen die Ver­bin­dun­gen zwi­schen ver­horn­ten Zell­schich­ten – das macht Nägel zugäng­li­cher für Pfle­ge­stoffe.

Frucht­säu­ren lösen die Bin­dun­gen zwi­schen abge­stor­be­nen, ver­horn­ten Zel­len. An der Nagel­platte bedeu­tet das, dass ver­dickte oder unre­gel­mä­ßige Nagel­schich­ten wei­cher und struk­tu­rier­ter wer­den. Die Ober­flä­che lässt sich bes­ser glät­ten, und Pfle­ge­stoffe kön­nen leich­ter in das Nagel­ge­webe ein­drin­gen. Die­ser Effekt ist wis­sen­schaft­lich gut belegt und der Haupt­grund, warum Frucht­säu­ren in der Nagel­pflege ein­ge­setzt wer­den.

Feuch­tig­keits­bin­dung

Milch­säure ver­bes­sert die Fähig­keit des Nagel­ge­we­bes, Feuch­tig­keit zu bin­den.

Milch­säure hat neben dem kera­to­ly­ti­schen Effekt eine zusätz­li­che Eigen­schaft: Sie stei­gert die Syn­these des natür­li­chen Feucht­hal­te­fak­tors (NMF) im Gewebe. Das bedeu­tet, dass das Nagel­ge­webe nach der Anwen­dung bes­ser Feuch­tig­keit bin­den kann. Tro­ckene, spröde Nägel kön­nen davon pro­fi­tie­ren. Die­ser Effekt ist bei ande­ren Frucht­säu­ren weni­ger aus­ge­prägt, wes­halb Milch­säure in der Nagel­pflege beson­ders geeig­net ist.

Was Frucht­säu­ren nicht leis­ten kön­nen

Ein wich­ti­ger Punkt für die Ein­ord­nung: Frucht­säu­ren sind kos­me­ti­sche Wirk­stoffe, keine Arz­nei­mit­tel. Sie ver­bes­sern den Zustand der Nagel­struk­tur und kön­nen die Auf­nah­me­fä­hig­keit des Nagels für Pfle­ge­stoffe erhö­hen. Sie behan­deln jedoch keine Pilz­in­fek­tion. Wer Nagel­pilz hat, braucht eine anti­my­ko­ti­sche Behand­lung. Frucht­säu­ren kön­nen diese ergän­zen, indem sie die Nagel­struk­tur in einem bes­se­ren Zustand hal­ten, aber sie erset­zen sie nicht.
Ebenso kön­nen Frucht­säu­ren in kos­me­ti­schen Kon­zen­tra­tio­nen keine tie­fen Nagel­schä­den behe­ben. In pro­fes­sio­nel­len Pee­ling­be­hand­lun­gen wer­den Kon­zen­tra­tio­nen von 20–30% ein­ge­setzt, die deut­lich über dem lie­gen, was in Haus­pfle­ge­pro­duk­ten üblich ist. In einem Bal­sam oder einer Pfle­ge­creme ist die Kon­zen­tra­tion so gewählt, dass sie einen scho­nen­den, dau­er­haf­ten Pfle­ge­ef­fekt erzielt, kei­nen inten­si­ven Peel­ef­fekt.

Unter­schied zu aggres­si­ve­ren Säu­ren

Frucht­säu­ren sind mild im Ver­gleich zu ande­ren Säu­ren, die in medi­zi­ni­schen oder pro­fes­sio­nel­len Kon­tex­ten ein­ge­setzt wer­den. Sali­cyl­säure, eine Beta-Hydro­xy­säure (BHA), dringt tie­fer in das Gewebe ein und wird in höhe­ren Kon­zen­tra­tio­nen zur Behand­lung von War­zen oder stark ver­horn­ter Haut ein­ge­setzt. Tri­chlores­sig­säure (TCA) wird in der Der­ma­to­lo­gie für tie­fere Pee­lings genutzt und gehört nicht in den kos­me­ti­schen Heim­ge­brauch.
Frucht­säu­ren in kos­me­ti­schen Pro­duk­ten haben typi­scher­weise Kon­zen­tra­tio­nen zwi­schen 5 und 15% und einen ange­pass­ten pH-Wert, der die Haut­ver­träg­lich­keit sicher­stellt. Bei die­sem Kon­zen­tra­ti­ons­ni­veau sind Irri­ta­tio­nen sel­ten, wenn das Pro­dukt bestim­mungs­ge­mäß ange­wen­det wird. Bei offe­nen Ver­let­zun­gen, stark ent­zün­de­ter Haut oder sehr emp­find­li­chem Nagel­be­reich sollte die Anwen­dung pau­siert wer­den.

Wann Frucht­säu­ren in der Nagel­pflege sinn­voll sind

Frucht­säu­ren eig­nen sich beson­ders für Nägel, die durch Tro­cken­heit, mecha­ni­sche Belas­tung oder begin­nende Pilz­schä­den ver­dickt, ris­sig oder spröde gewor­den sind. Sie machen die Nagel­ober­flä­che geschmei­di­ger, ver­bes­sern die Auf­nah­me­fä­hig­keit für Pfle­ge­stoffe und unter­stüt­zen eine gleich­mä­ßi­gere Nagel­struk­tur.
Weni­ger geeig­net sind Frucht­säu­ren bei offe­nen Ver­let­zun­gen rund um den Nagel, bei akut ent­zün­de­ter Nagel­falz oder wenn bereits eine inten­sive medi­zi­ni­sche Behand­lung läuft. In die­sen Fäl­len sollte ein Haut­arzt befragt wer­den.
Mehr Hin­ter­grund zu Nagel­pilz und sei­nen Ursa­chen bie­tet die Seite Über Nagel- & Fuß­pilz. Wer ver­ste­hen möchte, wie Nagel­pilz im Früh­sta­dium aus­sieht, fin­det dazu den Arti­kel Nagel­pilz erken­nen.

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