Ältere Person bei der Blutzuckermessung – Nagelpilz als Risikothema bei Diabetes

Nagel­pilz und Dia­be­tes: warum Fuß­pflege hier mehr bedeu­tet als Rou­tine

Für Men­schen mit Dia­be­tes kann ein unbe­han­del­ter Nagel­pilz ernste Fol­gen haben. Was Betrof­fene und ihre Ange­hö­ri­gen wis­sen soll­ten.

Nagel­pilz ist für die meis­ten Men­schen unan­ge­nehm, aber nicht gefähr­lich. Bei Men­schen mit Dia­be­tes ist das anders. Was bei Gesun­den ein kos­me­ti­sches Pro­blem bleibt, kann bei Dia­be­ti­kern zu ernst­haf­ten Kom­pli­ka­tio­nen füh­ren – bis hin zu Wun­den, die schlecht hei­len, oder schwer­wie­gen­den Infek­tio­nen. Das liegt nicht an man­geln­der Hygiene, son­dern an kör­per­li­chen Ver­än­de­run­gen, die Dia­be­tes mit sich bringt. Die­ser Arti­kel erklärt, was dahin­ter­steckt, warum Nagel­pilz bei Dia­be­tes oft so lange unbe­merkt bleibt und was Betrof­fene, Ange­hö­rige und Pfle­gende tun kön­nen.

Was Dia­be­tes mit dem Kör­per macht – kurz erklärt

Dia­be­tes mel­li­tus ist eine Stoff­wech­sel­er­kran­kung, bei der der Blut­zu­cker dau­er­haft erhöht ist. Es gibt zwei Haupt­for­men: Typ 1 und Typ 2. Bei Typ 1 pro­du­ziert die Bauch­spei­chel­drüse kein oder kaum Insu­lin mehr. Das pas­siert meist schon in jun­gen Jah­ren, oft im Kin­des- oder Jugend­al­ter, und hat eine Auto­im­mun­ur­sa­che: Das eigene Immun­sys­tem greift fälsch­li­cher­weise die Zel­len an, die Insu­lin pro­du­zie­ren. Betrof­fene sind lebens­lang auf die Zufuhr von Insu­lin ange­wie­sen. Bei Typ 2 pro­du­ziert die Bauch­spei­chel­drüse zwar noch Insu­lin, aber die Kör­per­zel­len reagie­ren immer weni­ger dar­auf – man spricht von Insu­lin­re­sis­tenz. Typ 2 ent­wi­ckelt sich meist im Erwach­se­nen­al­ter, oft im Zusam­men­hang mit Über­ge­wicht, Bewe­gungs­man­gel oder gene­ti­scher Ver­an­la­gung. Er ist die weit­aus häu­fi­gere Form und betrifft in Deutsch­land meh­rere Mil­lio­nen Men­schen.
Beide For­men füh­ren bei anhal­tend erhöh­tem Blut­zu­cker lang­fris­tig zu Schä­den an Blut­ge­fä­ßen und Ner­ven. Diese Schä­den sind der Kern des Pro­blems, wenn es um Nagel­pilz und Fuß­ge­sund­heit geht.

Warum Dia­be­ti­ker anfäl­li­ger für Nagel­pilz sind

Das erhöhte Risiko hat drei Ursa­chen, die sich gegen­sei­tig ver­stär­ken.

Geschwächte Abwehr

Wenn der Kör­per Ein­dring­linge schlech­ter bekämp­fen kann.

Chro­nisch erhöhte Blut­zu­cker­werte beein­träch­ti­gen die Funk­tion ver­schie­de­ner Immun­zel­len. Dadurch wer­den ein­ge­drun­gene Pilze schlech­ter bekämpft. Das bedeu­tet: Der Kör­per kann Pilz­spo­ren, die auf die Haut oder den Nagel gelan­gen, schlech­ter abweh­ren als ein gesun­der Mensch. Eine Infek­tion, die bei Gesun­den gar nicht erst ent­ste­hen würde, bekommt bei Dia­be­ti­kern, im wahrs­ten Sinne, leich­ten Fußes.

Schlechte Durch­blu­tung an den Füßen

Wenn das Nagel­bett nicht mehr aus­rei­chend ver­sorgt wird.

Dau­er­haft erhöhte Blut­zu­cker­werte schä­di­gen kleine und große Blut­ge­fäße. Beson­ders die fei­nen Blut­ge­fäße (Kapil­la­ren) im Bereich der Füße wer­den dadurch in ihrer Funk­tion beein­träch­tigt. Das Nagel­bett wird schlech­ter mit Sau­er­stoff und Nähr­stof­fen ver­sorgt. Dadurch hei­len Wun­den lang­sa­mer, Infek­tio­nen kön­nen sich leich­ter aus­brei­ten, und auch Immun­zel­len errei­chen das Gewebe schlech­ter.

Taub­heit in den Füßen

Wenn Schmerz und Juck­reiz nicht mehr als Warn­si­gnal funk­tio­nie­ren.

Einer der häu­figs­ten Lang­zeit­schä­den bei Dia­be­tes sind Ner­ven­schä­den an den Füßen (Neu­ro­pa­thie). Das bedeu­tet: Juck­reiz, Druck­ge­fühl, leichte Schmer­zen – die nor­ma­len Früh­warn­si­gnale, die bei Gesun­den dafür sor­gen, dass man einen ver­än­der­ten Nagel bemerkt – wer­den nicht mehr wahr­ge­nom­men. Nagel­pilz kann sich über Monate aus­brei­ten, ohne dass die betrof­fene Per­son etwas spürt. Wenn es auf­fällt, ist der Befall oft schon weit fort­ge­schrit­ten.

Warum Nagel­pilz bei Dia­be­tes gefähr­li­cher ist als bei Gesun­den

Bei einem gesun­den Men­schen ohne Grund­er­kran­kung ist Nagel­pilz unan­ge­nehm und hart­nä­ckig, aber sel­ten gefähr­lich. Bei Dia­be­ti­kern kann die­selbe Infek­tion eine Kette von Kom­pli­ka­tio­nen aus­lö­sen.
Ein ver­dick­ter, ver­form­ter Nagel drückt beim Gehen gegen das Nagel­bett und die umlie­gende Haut. Bei einem gesun­den Fuß schmerzt das und man reagiert. Bei einem Fuß mit tau­ben Ner­ven bleibt der Druck unbe­merkt. Das Gewebe kann abster­ben, ohne dass die betrof­fene Per­son es wahr­nimmt. Scharfe oder brü­chige Nagel­rän­der kön­nen die Haut rund um den Nagel ein­rit­zen – wie­der eine Ein­tritts­pforte für Bak­te­rien, die bei schlech­ter Wund­hei­lung erns­tes Poten­zial haben.
Pilz- und Bak­te­ri­en­in­fek­tio­nen kön­nen sich kom­bi­nie­ren und gegen­sei­tig ver­stär­ken. Im schlimms­ten Fall ent­steht dar­aus ein schlecht hei­len­des Fuß­ge­schwür, das Bestand­teil des soge­nann­ten dia­be­ti­schen Fuß­syn­droms wer­den kann. Laut Stu­di­en­lage haben Dia­be­ti­ker mit Nagel­pilz ein deut­lich höhe­res Risiko für Fuß­ge­schwüre und Gewe­be­schä­den als Dia­be­ti­ker ohne Pilz­be­fall.

Wenn der eigene Kör­per kein Warn­si­gnal mehr sen­det

Für viele Men­schen mit Dia­be­tes – und beson­ders für ihre Ange­hö­ri­gen – ist es schwer zu ver­ste­hen, warum man etwas so Sicht­ba­res wie einen ver­än­der­ten Nagel nicht bemerkt. Der Grund liegt in der Kom­bi­na­tion aus Taub­heits­ge­fühl und ein­ge­schränk­ter Sicht auf die eige­nen Füße.
Wer sich nicht mehr ohne Hilfe bücken kann, wes­sen Seh­ver­mö­gen nach­lässt, oder wer täg­lich mit den Anfor­de­run­gen einer chro­ni­schen Erkran­kung beschäf­tigt ist, schaut sel­te­ner genau hin. Nagel­pilz beginnt oft an den klei­nen Zehen, die noch schwe­rer zu sehen und zu errei­chen sind. Der Befall brei­tet sich aus, ohne Schmer­zen zu ver­ur­sa­chen, bis der Nagel so ver­än­dert ist, dass er beim Anzie­hen der Socke auf­fällt – oder bis das Pfle­ge­per­so­nal oder eine Ange­hö­rige ihn zufäl­lig ent­deckt.
Das ist kein Ver­sa­gen der betrof­fe­nen Per­son. Es ist eine direkte Folge der Erkran­kung. Umso wich­ti­ger ist, dass das Umfeld – Fami­lie, Pfle­ge­per­so­nal, Arzt­pra­xis – diese Lücke bewusst schließt.

Was Ange­hö­rige und Pfle­gende tun kön­nen

Nagel­pilz ist ein Thema, über das viele ältere Men­schen ungern spre­chen. Es ist mit Scham besetzt, weil es fälsch­li­cher­weise mit man­geln­der Hygiene ver­bun­den wird. Dabei ist das Gegen­teil wahr: Nagel­pilz bei Dia­be­tes ist eine medi­zi­ni­sche Fol­ge­er­schei­nung, kein per­sön­li­ches Ver­sa­gen.
Ange­hö­rige und Pfle­gende kön­nen hel­fen, indem sie das Thema direkt, aber ohne Vor­würfe anspre­chen. Ein Blick auf die Füße bei der nächs­ten Gele­gen­heit – beim Anzie­hen von Schu­hen, beim Baden, beim Ein­cre­men – kann ent­schei­dend sein. Wer selbst pflegt, sollte wis­sen, dass eine Ver­än­de­rung an den Nägeln kein Grund zur Panik ist, aber ein Grund zum Han­deln.

Was zu tun ist, wenn ein ver­än­der­ter Nagel auf­fällt

Nicht abwar­ten, aber auch nicht selbst behan­deln.

Bei Dia­be­ti­kern gilt: Kein Nagel­pro­blem selbst behan­deln, wenn man unsi­cher ist. Kein tie­fes Schnei­den, kein aggres­si­ves Fei­len, keine Haus­mit­tel auf offene Stel­len. Der erste Schritt ist der Arzt oder die Podo­lo­gie (medi­zi­ni­sche Fuß­pflege). Ein Haus­arzt kann die Dia­gnose stel­len, eine Über­wei­sung zur medi­zi­ni­schen Fuß­pflege aus­stel­len und bei Bedarf eine Behand­lung ein­lei­ten. Die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen über­neh­men medi­zi­ni­sche Fuß­pflege bei Dia­be­tes unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen.

Fuß­pflege bei Dia­be­tes: Was mehr gilt als bei Gesun­den

Viele der Grund­re­geln guter Fuß­pflege gel­ten für alle – aber bei Dia­be­tes sind sie keine Emp­feh­lung, son­dern eine ernst­hafte Vor­sorge.

Täg­lich hin­schauen

Die Fuß­kon­trolle ersetzt das feh­lende Schmerz­emp­fin­den.

Weil Schmerz und Juck­reiz als Warn­si­gnale aus­fal­len kön­nen, muss die täg­li­che Sicht­kon­trolle diese Funk­tion über­neh­men. Füße täg­lich auf Rötun­gen, Ver­fär­bun­gen an den Nägeln, Risse, Druck­stel­len oder kleine Wun­den prü­fen. Wer die Fuß­soh­len nicht gut sehen kann, kann einen Hand­spie­gel nut­zen oder eine Ver­trau­ens­per­son um Hilfe bit­ten.

Offene Schuhe und atmungs­ak­tive Socken

Feuch­tig­keit ist der wich­tigste Risi­ko­fak­tor, den man beein­flus­sen kann.

Socken aus Baum­wolle, Meri­no­wolle oder moder­nen Funk­ti­ons­fa­sern kön­nen hel­fen, Feuch­tig­keit vom Fuß weg­zu­lei­ten. Wer stark schwitzt oder sport­lich aktiv ist, pro­fi­tiert häu­fig von spe­zi­el­len Funk­ti­ons­so­cken, die schnel­ler trock­nen und den Fuß län­ger tro­cken hal­ten. Eng­an­lie­gen­des Schuh­werk mit wenig Belüf­tung ist bes­ser zu ver­mei­den und im Som­mer, wenn es die Situa­tion erlaubt und die Füße aus­rei­chend geschützt, sind offene Schuhe oder San­da­len ohne Socken zu bevor­zu­gen, damit wird die Feuch­tig­keits­be­las­tung am Fuß erheb­lich redu­ziert.

Fuß­bä­der mit Bedacht

Kurz und lau­warm – nicht zu heiß und nicht zu lang.

Fuß­bä­der kön­nen die Durch­blu­tung anre­gen und sind für viele ältere Men­schen eine ange­nehme Gewohn­heit. Bei Dia­be­tes gilt: Was­ser nicht zu heiß (maxi­mal 37 Grad, da das Tem­pe­ra­tur­emp­fin­den ein­ge­schränkt sein kann), nicht län­ger als fünf Minu­ten, danach gründ­lich trock­nen – beson­ders zwi­schen den Zehen. Keine Bade­zu­sätze mit Alko­hol oder stark trock­nen­den Sub­stan­zen.

Blut­zu­cker sta­bil hal­ten

Die beste Vor­sorge gegen alle Fuß­pro­bleme beginnt beim Blut­zu­cker.

Das klingt selbst­ver­ständ­lich, wird aber häu­fig unter­schätzt: Eine gute Blut­zu­cker­re­gu­lie­rung ver­hin­dert bzw. ver­lang­samt Gefäß­schä­den. Wer sei­nen Dia­be­tes gut ein­stellt, senkt das Risiko für Nagel­pilz und alle damit ver­bun­de­nen Kom­pli­ka­tio­nen spür­bar.
Wer ver­ste­hen möchte, wie Nagel­pilz im Früh­sta­dium aus­sieht, fin­det dazu den Arti­kel Nagel­pilz erken­nen. Wie sich Fuß­pilz und Nagel­pilz von­ein­an­der unter­schei­den und wel­che Sta­dien es gibt, erklärt der Arti­kel Fuß­pilz oder Nagel­pilz. Eine voll­stän­dige Fuß­pfle­ge­rou­tine für den All­tag beschreibt der Arti­kel Fuß­pflege als Tages­rou­tine.

Für die Pflege pilz­an­fäl­li­ger Nägel und Füße emp­feh­len wir MALUFIN® Nagel­bal­sam – mit natür­li­chen Inhalts­stof­fen, die die Nagel­ober­flä­che pfle­gen.

Pas­sende Pro­dukte

Dermatest - Hautverträglichkeit klinisch getest

MALUFIN® Nagel­bal­sam
Inten­sive Tie­fen­pflege für Nägel, die durch Nagel­pilz geschwächt oder bean­sprucht sind.
24,90 
+ Ver­sand­kos­ten (bis 8 Stck. = 2,90 €)

ERBE® Glas­na­gel­feile
Fein­po­rige Glas­feile spe­zi­ell für emp­find­li­che, brü­chige Nägel geeig­net
11,90 
+ Ver­sand­kos­ten (bis 8 Stck. = 2,90 €)

Wei­tere Arti­kel

Paare sitzen barfuß auf einem Anlegesteg – Sommeraktivitäten und Nagelpilzrisiko im Freien
Nagel­pilz im Som­mer: Schwimm­bad, San­da­len und Anste­ckungs­ge­fahr
Nachdenklicher Geschäftsfrau - ab wann wird Fußpilz zu Nagelpilz?
Fuß­pilz oder Nagel­pilz? Sta­dien, Unter­schiede und was wirk­lich hilft
Makroaufnahme von Zitrusfrüchten – Fruchtsäuren als Wirkstoff in der natürlichen Nagelpflege
Frucht­säu­ren in der Nagel­pflege: Wir­kung, Gren­zen und Anwen­dung