
Nagelpilz im Sommer: Schwimmbad, Sandalen und die unterschätzte Ansteckungsgefahr
Warme Böden, feuchte Umkleiden, nackte Füße: Warum der Sommer Hochsaison für Nagelpilz ist und was man dagegen tun kann.
Nagelpilz hat eine Saison. Nicht weil der Pilz im Winter verschwindet, sondern weil die Bedingungen für eine Ansteckung im Sommer deutlich günstiger sind. Was viele nicht wissen: Nagelpilz entsteht fast nie direkt. Zuerst kommt Fußpilz, dann wandert der Pilz zum Nagel. Dieser Weg dauert Wochen, manchmal Monate. Wer im Juli barfuß durch eine Umkleide läuft, bemerkt die Folgen oft erst im Herbst. Dieser Artikel erklärt, was dabei im Körper passiert, wo das Risiko am größten ist und was man mit einfachen Mitteln konkret tun kann.Erst Fußpilz, dann Nagelpilz: wie die Infektion wirklich abläuft
Die meisten Menschen stellen sich Nagelpilz als direkten Befall vor: Spore landet auf Nagel, Pilz wächst. So funktioniert es in der Regel nicht. Der häufigere Weg ist indirekter und dauert länger.Pilzsporen landen zuerst auf der Haut, meist zwischen den Zehen oder an der Fußsohle. Dort entsteht Fußpilz. Die Haut reagiert mit leichter Rötung, Schuppung oder Juckreiz zwischen den Zehen, oft so dezent, dass man es kaum bemerkt oder es für trockene Haut hält. In Deutschland ist schätzungsweise jeder achte Mensch von Nagelpilz betroffen, ein Fußpilz geht bei mindestens jedem zweiten Fall voraus.
Vom Hautbereich wandert der Pilz weiter. Er erreicht den Nagel meist über den freien Nagelrand oder die seitlichen Nagelfalzen, also die kleinen Hautfalten rechts und links des Nagels. Dort dringt er in die Nagelplatte ein und beginnt, das Keratin abzubauen. Keratin ist das Strukturprotein, aus dem Nägel bestehen. Der Pilz ernährt sich davon. Das erklärt, warum pilzbefallene Nägel brüchig, weich und strukturlos werden: Die Substanz des Nagels wird von innen zersetzt.
Dieser Prozess ist schleichend. Erste sichtbare Zeichen zeigen sich oft erst Wochen bis Monate nach der eigentlichen Infektion. Wer im Sommer Sporen aufnimmt, bemerkt das am Nagel häufig erst im Herbst oder Winter. Der Zusammenhang zwischen dem Schwimmbadbesuch im Juli und dem veränderten Nagel im Oktober ist dann schwer herzustellen.
Wo Pilzsporen im Sommer besonders häufig vorkommen
Dermatophyten, die Fadenpilze, die Fuß- und Nagelpilz verursachen, überleben auf feuchten Oberflächen mehrere Stunden bis Tage. Auf Holzrosten, porösen Böden und in Duschmatten noch länger. Warme, feuchte, schlecht belüftete Bereiche sind ihr bevorzugtes Habitat.Schwimmbäder und Freibäder
Beckenränder, Duschen und Umkleiden gehören zu den am stärksten belasteten Flächen.
Fliesen rund um Becken und in Duschbereichen bieten Pilzsporen gute Überlebensbedingungen. Hohe Besucherzahlen im Sommer bedeuten höhere Sporendichte. Wer barfuß durch diese Bereiche läuft, hat direkten Kontakt. Badeschuhe unterbrechen diesen Kontakt zuverlässig.Saunen und Wellnessbereiche
Holzroste sind porös, schwer zu reinigen und dauerhaft feucht.
Saunaroste sind eines der problematischsten Materialien in diesem Kontext. Porös, warm, feucht: ideale Bedingungen für Pilzsporen. Die hohe Temperatur in der Sauna tötet Sporen nicht zuverlässig ab. Auch hier gilt: Badeschuhe tragen, auch auf dem Weg zwischen Umkleide und Sauna.Fitnessstudio-Umkleiden
Ganzjähriges Risiko, im Sommer durch stärkere Nutzung erhöht.
Umkleiden und Duschen in Fitnessstudios sind nicht saisonabhängig, aber im Sommer frequentierter. Viele Sportler duschen nach dem Training barfuß, ohne das Risiko zu kennen. Flip-Flops sind die einfachste und günstigste Schutzmaßnahme.Strand und Naturbäder
Geringeres Risiko im Sand, aber sanitäre Bereiche sind vergleichbar mit Freibädern.
Sand und Salzwasser bieten Pilzen schlechtere Bedingungen als Hallenbadkacheln. Das Risiko am Strand selbst ist geringer. Strandshower, Toilettenanlagen und Umkleidebereiche an Naturbädern haben jedoch ein ähnliches Risikoprofil wie Freibäder.Sandalen: Schutz, Risiko oder beides
Sandalen lösen das Feuchtigkeitsproblem. Offene Schuhe lassen die Nägel atmen, trocknen schnell und verhindern das warme, feuchte Milieu, das Pilzwachstum begünstigt. Das ist ein echter Vorteil gegenüber geschlossenen Schuhen im Sommer.Das Risiko verlagert sich allerdings. Wer in offenen Sandalen barfuß über öffentliche Böden läuft, hat zwar trockene Nägel, aber keinen Schutz vor Pilzsporen auf dem Boden. Eine Sandale mit geschlossener Sohle schützt vor Bodenkontakt. Eine offene Zehenriemensandale nicht.
Ein weiterer Punkt: Sandalen, die mit anderen Personen geteilt werden, sind ein direkter Übertragungsweg. Das betrifft Hausschuhe und Badeschuhe in Ferienwohnungen, Hotels oder Familienhaushalten. Eigenes Schuhwerk ist hier keine Übervorsicht, sondern Grundhygiene.
Was man konkret tun kann: Temperatur, Desinfektion, Hygiene
Prävention ist keine Wissenschaft. Die wirksamsten Maßnahmen sind einfach und kosten wenig.Badeschuhe
Die effektivste Einzelmaßnahme, die die meisten weglassen.
Ein günstiges Paar Flip-Flops in der Sporttasche reicht aus. Konsequent tragen: in der Umkleide, auf dem Weg zum Becken, in der Dusche, im Wellnessbereich. Auch kurze Strecken barfuß erhöhen das Risiko. Die Badeschuhe nach dem Einsatz trocknen lassen, nicht feucht in die Tasche packen.Füße trocknen
Zwischen den Zehen ist entscheidend, nicht nur die Oberseite des Fußes.
Nach dem Duschen oder Baden reicht schnelles Abtupfen nicht. Feuchtigkeit, die zwischen den Zehen bleibt, schafft genau das Milieu, das Pilzwachstum ermöglicht. Gründlich trocknen, jeden Zwischenraum. Das dauert 30 Sekunden und ist eine der wirksamsten Präventionsmaßnahmen überhaupt.Handtücher waschen
Mindestens 60 Grad, besser 90 Grad für Socken und Badetücher.
Pilzsporen überleben in feuchten Textilien. Ein Handtuch, das mehrfach verwendet wird ohne zu trocknen, kann Sporen auf die Haut übertragen. Handtücher, Socken und Badesachen bei mindestens 60 Grad waschen. Bei bekanntem Befall empfehlen sich 90 Grad oder ein Hygienespüler als Zusatz, der auch bei niedrigeren Temperaturen wirkt.Badeschuhe desinfizieren
Schuhspray wirkt, wenn man es richtig anwendet.
Ein pilzwirksames Schuhspray kann Pilzsporen in Badeschuhen abtöten. Wichtig: Das Spray muss einwirken können. Schuhe einsprühen, kurz einwirken lassen, dann trocknen lassen. Nasse Schuhe direkt nach dem Gebrauch einzusprühen und sofort wieder zu verstauen bringt wenig. Das Spray ergänzt das Trocknen, ersetzt es aber nicht. Wer häufig Schwimmbäder oder Saunen besucht, sollte Badeschuhe alle paar Wochen behandeln.Textilien nicht teilen
Handtücher, Socken und Badeschuhe sind persönliche Gegenstände.
Auch im Familienhaushalt oder im Urlaub: geteilte Handtücher und Badeschuhe sind ein direkter Übertragungsweg. Das gilt besonders, wenn eine Person bereits Fußpilz hat, auch wenn dieser noch nicht sichtbar ist.Wann man handeln sollte
Wer nach dem Sommer leichte Veränderungen an den Nägeln bemerkt, sollte nicht abwarten. Nagelpilz bessert sich nicht von selbst. Frühzeitiges Handeln verhindert die Ausbreitung auf andere Nägel und macht den weiteren Verlauf einfacher.Was die frühen Zeichen eines Nagelpilzes sind und wie man ihn von anderen Ursachen unterscheidet, erklärt der Artikel Nagelpilz erkennen. Weiterführende Informationen zu Ursachen und Übertragung bietet die Seite Über Nagel- & Fußpilz.
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